Berühmte Gothen

Diese Zusammenstellung enthält eine Aufzählung von Angehörigen der Akademischen Sängerschaft Gothia zu Graz, die durch ihre Leistungen in der Öffentlichkeit einen überdurchschnittlichen Bekanntheitsgrad erreicht haben. Die Gothia ist weit davon entfernt, zu behaupten, sie habe diese Persönlichkeiten „hervorgebracht“; doch die Tatsache, daß sie in ihrer Jugend in unseren Bund eingetreten sind und diesem ein Leben lang die Treue gehalten haben, können wir Gothen uns zur Ehre anrechnen.

Auf die Nennung von Lebenden wird bewußt verzichtet.

Bardolff Carl Freiherr v., * 3. 9. 1865 (Graz), † 17. 5. 1953 (Graz). Berufsoffizier, Adjutant des Thronfolgers Franz Ferdinand, Zeuge des Mordes von Sarajewo am 28. Juni 1914. Feldmarschalleutnant und Generalstabschef der 2. Armee im Ersten Weltkrieg, Träger des Maria-Theresien-Ordens und des Ordens „Pour le Mérite“, Vorsitzender des Deutschen Klubs in Wien (1932–1937)
Fuchs Johann Nepomuk, * 5. 5. 1842 (Frauenthal, Weststeiermark), † 15. 10. 1899 (Bad Vöslau, Niederösterreich). Komponist und Kapellmeister. 1893 Direktor des Konservatoriums der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, 1894 Vizehofopernkapellmeister in Wien.
Geramb Viktor v., * 24. 3. 1884 (Deutschlandsberg, Weststeiermark), † 8. 1. 1958 (Graz). Germanist und Volkskundler. 1913 Aufbau und Leitung (bis 1949) der volkskundlichen Abteilung des Landesmuseums Joanneum, 1933/34 Gründung des Steirischen Heimatwerkes, 1931–1939 und 1949–1954 Universitätsprofessor für Volkskunde in Graz (1. Lehrstuhl für Deutsche Volkskunde in Österreich), Tätigkeit in der Heimatschutzbewegung (Deutscher Schulverein Südmark) und in der Volksbildung (Volksbildungswerk St. Martin bei Graz).
Kattnig Rudolf, * 9. 4. 1895 (Oberdorf bei Treffen, Kärnten), † 2. 9. 1955 (Klagenfurt). Komponist (Operetten „Prinz von Thule“; „Balkanliebe“, darin das Lied „Leise erklingen die Glocken vom Campanile“; „Mädels vom Rhein“; „Bel ami“; komische Oper „Dona Miranda“), Kapellmeister. Direktor des Musikvereins Innsbruck und der Innsbrucker Musikschule (1928–1934). 1939 Professor an der Wiener Musikakademie (Leitung der Opernschule).
Kernstock Ottokar, * 25. 7. 1848 (Marburg an der Drau), † 4. 11. 1928 (Festenburg, Oststeiermark). R.-k. Priester, Chorherr des Stiftes Vorau, dort Bibliothekar und Archivar, ab 1889 Pfarrer auf der Festenburg. Dichter („Sänger von der Festenburg“): Lyrik in der Tradition der Spätromantik, z. T. in mittelhochdeutscher Sprache. Werke: Aus dem Zwingergärtlein (1901), Unter der Linde (1905), Turmschwalben (1908), Aus der Festenburg (1911) Tageweisen (1912), Schwertlilien aus dem Zwingergärtlein (1915), Steirischer Waffensegen (1916, mit Peter Rosegger), Der redende Born (1922). 1920 Verfasser der „Deutschösterreichischen Volkshymne“ mit dem Beginn „Sei gesegnet ohne Ende“, 1929 durch Ministerratsbeschluß zur Bundeshymne der Ersten Republik Österreich erklärt.
Kienzl Wilhelm, * 17. 1. 1857 (Waizenkirchen, Oberösterreich), † 3. 10. 1941 (Wien). Pianist, Musikschriftsteller, Dirigent (1886 Direktor des Steiermärkischen Musikvereines), Komponist (Opern „Der Evangelimann“, „Der Kuhreigen“, „Das Testament“; Kammermusik, Klavierwerke, Lieder, Chorwerke). 1920 Vertonung des Gedichtes „Deutschösterreich, du herrliches Land“ (Karl Renner, 1919), das bis 1929 als inoffizielle Hymne der Ersten Republik Österreich galt.
Kloepfer Hans, * 18. 8. 1867 (Eibiswald, Weststeiermark), † 27. 6. 1944 (Köflach, Weststeiermark). Arzt, Dichter (Lyrik und Prosa in hochdeutscher Sprache und weststeirischer Mundart): „Sulmtal und Kainachboden“, „Aus alter Zeit“, „Eibiswald“ (Chronik), „Aus dem Bilderbuch meines Lebens“ (Autobiographie), „Joahrlauf“.
Krischke Otto, * 22. 4. 1886 (Wilfersdorf, Niederösterreich), † 26. 7. 1949 (Graz). Musikpädagoge, Volksliedforscher, Komponist. 1913 Musikdirektor von Knittelfeld, erster Vertreter der Singbewegung in der Steiermark, 1942 Professor für Volksliedforschung an der Musikhochschule Graz-Eggenberg (Erforschung der „musikalischen Mundart der Steiermark“).
Polheim Karl, * 28. 6. 1883 (Graz), † 15. 12. 1967 (Graz). Ordinarius für Germanistik an der Universität Graz (1929–1945), 1939–1945 deren Rektor. 1920–1939 Obmann des Steirischen Sängerbundes.
Poppe Richard, * 2. 8. 1884 (Halle an der Saale), † 27. 12. 1960 (Creglingen an der Tauber). Jugend- und Musikpädagoge, Mitbegründer der Sudetendeutschen Singbewegung Walther Hensels („Finkensteiner Bewegung“).
Portugall Ferdinand, * 3. 8. 1837 (Oberpremstätten bei Graz), † 18. 5. 1901 (Graz). Jurist, 1872–1879 Vizebürgermeister von Graz, 1873–1885 Reichsratsabgeordneter (Deutsche Fortschrittspartei), 1885–1897 Bürgermeister von Graz: Bau des Justizpalastes und sowie der Post- und Telegraphendirektion auf den Neutorgründen, Neubau der Technischen Hochschule (heute „Alte Technik“), Bau der Schloßbergbahn, Neubau des Rathauses und des Landesmuseums Neubau der Universität im Geidorfviertel, Planung der neuen „Allgemeinen Krankenhauses (heute Landeskrankenhaus und Universitätsklinik).
Rosegger Sepp, * 20. 2. 1874 (Graz), † 16. 8. 1948 (Langenwang, Obersteiermark). Sohn des steirischen Dichters Peter Rosegger (1843–1918), der seinen ersten öffentlichen Vortrag bei einer Veranstaltung des Grazer Akademischen Gesangvereines (AGV) – der späteren Gothia – hielt (1870). Arzt, Komponist: „Ein weltliches Requiem“ (nach Worten seines Vaters), „Es ist ein Reis entsprungen – Marienpassion“ (nach Worten von Margarete Weinhandel).
Schlechta Franz, * 2. 2. 1833 (Ingrowitz/Jimramov, Mähren), † 16. 12. 1899 (Graz). Advokat, herausragende Persönlichkeit des Grazer Musiklebens. In den Reihen des Grazer Akademischen Gesangvereines (AGV; später Gothia), dessen Chormeister Franz Schlechta 25 Jahre (!) hindurch war, „dienten“ drei Schüler unter ihm, die ihren Lehrer später bei weitem übertrafen: Ernst Schuch (s. u.), Wilhelm Kienzl (s. o.) und Richard Heuberger (der Komponist der Operette „Opernball“; als Techniker konnte Heuberger allerdings nicht Mitglied des AGV werden).
Schuch Ernst v., * 23. 11. 1846 (Graz), † 10. 5. 1914 (Niederlößnitz bei Dresden). Dirigent in Breslau, Würzburg, Graz Basel. 1873 Musikdirektor und Hofkapellmeister in Dresden, 1882 Direktor der Semper-Oper in Dresden, 1889 königlich-sächsischer Generalmusikdirektor in Dresden. Uraufführungen der Opern „Salome“, „Elektra“ und „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss.
Walzel Gerold, * 1901 (Wien), † 1988 (Althofen, Kärnten). Schriftsteller, Kulturkritiker, Komponist. Schöpfer des Grazer Studentenliedes „Student sein in Graz“ mit dem Beginn „Träumend sah vom Schlossberg nieder …“
Weis-Ostborn Julius v., * 11. 2. 1862 (Wiener Neustadt, Niederösterreich), † 24. 9. 1927 (Maria Saal, Kärnten). Jurist, Dirigent. Machte Graz durch Aufführungen des DAGV Gothia mit der Kunst Gustav Mahlers bekannt: „Das klagende Lied“ (Grazer Erstaufführung), „Das Lied von der Erde“ (österreichische Erstaufführung), Symphonie Nr. 2 (Grazer Erstaufführung), Symphonie Nr. 8 – „Symphonie der Tausend“ (Grazer Erstaufführung).
Zack Viktor, * 13. 4. 1854 (Vordernberg, Obersteiermark), † 26. 1. 1939 (Graz). Lehrer, Dirigent, Volksliedforscher, Komponist. Werke: „Heiderich und Petergstamm“, Steirertänze“, „Steirisches Liederbuch für Volksschulen“, „Alte Hirten- und Krippenlieder“, Lieder, Klavier- und Chormusik.

Akademische Lehrer
75 akademische Lehrer gehör(t)en unseren Bund (AGV/DAGV/Gothia) an, darunter sind 15 Lebende.